Anlagebetrug – Was tun?
Gefälschte Trading-Plattformen mit manipulierten Kursen, täuschend echt gestaltete Websites renommierter Finanzinstitute und WhatsApp-Gruppen mit angeblichen Erfolgsgeschichten – die Methoden von Betrügern werden immer raffinierter. Unterstützt durch künstliche Intelligenz nehmen Fälle von Anlagebetrug rasant zu. Viele Betroffene erkennen den Betrug erst, wenn es bereits zu spät ist.
Wie erkenne ich Anlagebetrug?
Anlagebetrügereien folgen meist einem klaren Muster. Der Erstkontakt erfolgt über soziale Medien, Messenger oder unauffällige Websites. Die Täter geben sich als erfahrene Trader oder Anlageberater aus, präsentieren gefälschte Gewinne und drängen zu schnellen Investitionen. Typische Warnsignale sind unrealistisch hohe Renditeversprechen bei angeblich minimalem Risiko, Forderungen nach Vorauszahlungen oder die ausschließliche Kommunikation über inoffizielle Kanäle. Fehlen Impressum oder eine Regulierung durch die Finanzmarktaufsicht (FMA), ist besondere Vorsicht geboten. Häufig werden zu Beginn kleine Beträge ausbezahlt, um Vertrauen zu schaffen und das Opfer „anzufüttern“. Ebenso gefährlich sind sogenannte „Recovery Scams“: Betrüger geben sich als Ermittler/Anwälte aus, die angeblich helfen – selbstverständlich nur gegen erneute Vorauszahlung.
Privatbeteiligtenanschluss
Opfer sollten umgehend Strafanzeige erstatten und einen Privatbeteiligtenanschluss im Ermittlungsverfahren erklären. Polizei und Staatsanwaltschaft verfügen über weitreichende Befugnisse zur Täteridentifizierung, etwa durch Kontensperrung oder internationale Rechtshilfe. Neben staatlicher Hilfe erhalten Privatbeteiligte Akteneinsicht, werden über den Verfahrensfortgang informiert und können Beweisanträge stellen. Die Ansprüche können parallel im Strafverfahren geltend gemacht werden. Der Anschluss unterbricht teilweise sogar die Verjährungsfrist.
Direkte Klagen gegen die Täter
Sind die Täter identifizierbar, können sie zivilrechtlich auf Schadenersatz geklagt werden. Der Anspruch umfasst die Rückzahlung der investierten Beträge plus weitere Vermögensschäden. Der Erfolg hängt davon ab, ob die Täter über greifbares Vermögen verfügen, da viele aus dem Ausland agieren oder die Gelder bereits verschoben haben. Dennoch bleibt die Klage das wichtigste Instrument, um Ansprüche zu sichern und gegebenenfalls später vollstrecken zu können.
Rechtsschutzversicherung
Besteht eine Rechtsschutzversicherung, ist es wichtig, den Schaden umgehend zu melden. Ob Deckung besteht, hängt von der Polizze ab. Manche Versicherungen schließen Spekulationsgeschäfte aus. Eine anwaltlich formulierte Deckungsanfrage ist entscheidend, da ein erfahrener Anwalt argumentieren kann, dass es sich um einen Betrugsfall handelt – und gerade eben nicht um ein gescheitertes Investment.
Richtiges Handeln ist entscheidend
Je früher die Behörden eingeschaltet werden, des-
to größer sind die Chancen, Täter zu ermitteln und Vermögenswerte zu sichern. Digitale Spuren lassen sich nur für begrenzte Zeit nachvollziehen und Vermögenswerte sind oft nur kurzfristig greifbar. Empfohlenes Vorgehen: Keine weiteren Zahlungen leisten, alle Beweismittel sichern und unverzüglich einen auf Anlagebetrug spezialisierten Rechtsanwalt kontaktieren.
Kurz informiert
Opfer von Anlagebetrug sollten rasch handeln: Strafanzeige ersta-
tten, Privatbeteiligtenanschluss erklären, anwaltliche Hilfe sichern und die Rechtsschutzversicherung einschalten. Nur durch schnelles und professionelles Vorgehen lassen sich Schadenersatzansprüche und Ermittlungen effektiv vorantreiben.











